Ein Tag mit vielen Eindrücken

16 Kinder aus Villingendorf erlebten im Rahmen des örtlichen Kinderferienprogrammes einen abwechslungsreichen und naturnahen Nachmittag, der von der lokalen Jägerschaft organisiert wurde.

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Das von der Jagdgemeinschaft Villingendorf durchgeführte und von Sabine Müller und Dietmar Erb federführend organisierte Kinderferienprogramm erfreut sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit und entwickelt sich mehr und mehr zu einem Geheimtipp. Dies lässt sich insbesondere anhand der durchweg positiven Rückmeldungen seitens der Kinder und deren Eltern und einer stets langen Warteliste belegen. Warum das so ist, zeigte sich auch in der aktuellen Veranstaltung: Das Programm setzte sich in bewährter Manier aus Aufgaben und Themen zusammen, die Spiel, Spaß, Erlebnis und Wissen vereinen. Welche Tiere gibt es in der heimischen Natur? Wie sollten sich die Menschen in der Natur verhalten? Welche Aufgaben gehören zur Jagd und warum wird sie ausgeübt? Ziel des Programms war es, sich diesen Fragen altersgruppengerecht zu nähern.

Bei gutem Wetter und voller Vorfreude trafen insgesamt 16 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren am frühen Nachmittag des zurückliegenden Samstags (30. Juli) am Spielplatz zwischen dem Villingendorfer Industriegebiet und dem Bergwald ein. Nach der Begrüßung und einer kurzen Erläuterung des Ablaufes durch die veranstaltenden Jägerinnen und Jäger (Sabine Müller, Dietmar Erb, Emil Ebenhoch, Thomas Engeser und Marcel Reiner), die allesamt in Villingendorfer Revieren ihrer Passion nachgehen, ging es für die Kinder auch direkt los. Eingeteilt in vier Gruppen, absolvierten sie jeweils in Begleitung eines Jägers nach und nach die parcoursartig am und im Bergwald aufgebauten Stationen, die in unterschiedlicher Art und Weise in Bezug zur Jagd standen. Dabei waren zumeist Fähigkeiten gefragt, die auch bei der Jagdausübung wichtig sind. Egal ob beim Ballwurf, beim Pfeil- und Bogenschießen auf eine Wildschweinattrappe oder beim Entdecken der Präparate heimischer Wildtiere von einem nahegelegenen Hochsitz aus – die Kinder hatten bei allen Aufgaben sichtlich Spaß.

Besonders viel Freude bereiteten die von Sabine Müller angebotenen Übungen und Spiele mit ausgebildeten Jagdhunden, die von allerhand Informationen über den korrekten Umgang mit dem besten Freund des Menschen umrahmt waren. Auch die Hunde waren derart in ihrem Element, dass angesichts der Temperaturen die eine oder andere Pause nötig war. Eine spezielle Attraktion war der Anhänger „Lernort Natur“, der seitens der Kreisjägervereinigung Rottweil für Naturbildungs- und Schulungszwecke unterhalten wird und eigens für das Kinderferienprogramm in Villingendorf vor Ort war. Der Anhänger „Lernort Natur“ besteht aus Präparaten zahlreicher Wildtierarten und eignet sich somit sehr gut, bei Kindern das Interesse an der heimischen Fauna zu wecken, Informationen zur Lebensweise einzelner Arten zu vermitteln und Zusammenhänge innerhalb der Nahrungskette aufzuzeigen. Während Fuchs, Hase, Reh und Wildschwein von den Kindern souverän als heimische Arten erkannt wurden, so waren sie sichtlich erstaunt, dass in Villingendorfer Wäldern auch Waschbären umherstreifen. Das im Anhänger ebenfalls vorhandene Gebisspräparat eines Wildschweines diente als Verknüpfung zu einem weiteren Programmpunkt: richtiges Verhalten in der Natur. Dies den Kindern zu vermitteln, ist den Jägerinnen und Jägern ein besonderes Anliegen. Hierfür wurde anhand von Beispielen auf bestimmte Verhaltensweisen, die es möglichst zu vermeiden gilt, hingewiesen (zum Beispiel das Hinterlassen von Müll aller Art, Störungen durch Fahrzeuge, unsachgemäßer Umgang mit Feuer, das Anfassen von (jungen) Tieren). Dieser Programmpunkt wurde von Marcel Reiner interaktiv gestaltet. Bei allen Sachverhalten wurden die Kinder zunächst animiert, an die Gruppe zu berichten, was sie bereits wissen oder sogar selbst erlebt haben. Zudem wurde besprochen, inwiefern für die Menschen selbst Gefahren entstehen können, wenn sie sich in der Natur nicht richtig verhalten (z. B. das Sammeln von unbekannten Pilzen, Beeren etc., Zeckenstiche). Ein Beispiel, das reges Interesse und einige Fragen der Kinder hervorrief, war die Gefahr, die von einem erwachsenen weiblichen Wildschwein (Bache) ausgehen kann, welches seine Jungtiere (Frischlinge) verteidigt. Dabei wurde vermittelt, dass in erster Linie der Mensch gefragt ist, durch umsichtiges Verhalten gefährliche Situationen zu vermeiden. Der Informationsstand der Kinder zu diesem Programmpunkt war insgesamt sehr erfreulich.

Während und zwischen den einzelnen Stationen standen die Jägerinnen und Jäger auch gerne Rede und Antwort zu allen Themen rund um die Jagd. Auch am Programmtag stand, wie es für die Jagd typisch ist, das leibliche Wohl am Ende im Vordergrund. Um auch dies möglichst naturnah zu gestalten und die Veranstaltung locker und gemütlich ausklingen zu lassen, wurde in den vergangenen Jahren stets gemeinsam über offenem Feuer gegrillt. Aufgrund der aktuellen Waldbrandgefahr und getreu dem richtigen Verhalten in der Natur war das in diesem Jahr nicht möglich. Dies dämpfte jedoch weder Appetit noch Stimmung und passt zudem zu einem ungeschriebenen Gesetz der Jagdpraxis: Wer auf der Jagd erfolgreich sein will, muss sich nach der Natur richten und – wenn es nötig ist – improvisieren können. Dementsprechend wurde auch am Programmtag eine alternative Lösung gefunden, um sich die Würstchen munden lassen zu können.

Gestärkt und geschafft zugleich wurden die Kinder anschließend von ihren Eltern abgeholt und berichteten ihnen eifrig von den Eindrücken des Nachmittages. Diese Art von Rückmeldungen waren und sind der zentrale Beweggrund für die Jägerinnen und Jäger, das Ferienprogramm zu organisieren. Darüber hinaus geht es ihnen jedoch auch darum, die allgemeine Wertschätzung zu honorieren, die ihnen in Villingendorf zu Teil wird. Alle Veranstaltenden berichten von einem konstruktiven Miteinander rund um die Jagd zwischen der Gemeindeverwaltung, den Landwirten, der Forstverwaltung und der Jägerschaft und betonen, dass dies nicht überall so ist. Ob es dieses Programm auch nächstes Jahr wieder gibt? Ein Blick auf die lange Warteliste zeigt, dass viele weitere Kinder Interesse daran haben, die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur zu erkunden – auf den Spuren der Jagd.