Wie wollen wir jagen?

Die Jagd zwischen Tradition und Moderne stand im Mittelpunkt der Jahresversammlung des Hegerings Oberndorf.

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Nach der Begrüßung durch die Jagdhornbläser eröffnete der Hegeringleiter Klaus Haischer die
Jahresversammlung des Hegerings Oberndorf in der “Traube“ in Beffendorf. Neben den Regularien
standen zwei besondere Ereignisse auf dem Tableau, die exemplarisch das Spannungsfeld der Jagd
zwischen Tradition und Moderne darstellten:
Georg Egeler, der seinen ersten Jagdschein 1972 löste, bedankte sich zunächst herzlich für die
Unterstützung, die ihm in 50 Jahren zuteil wurde und streifte einige Eckpunkte seines langjährigen
Lebens als Waidmann und Büchsenmacher. Neben seiner erfolgreichen Zeit als Jagdschütze auf
Bezirks- und Bundesebene kümmerte er sich aber auch um den Nachwuchs: Die Ausbildung von
Jungjägern in der Waffentechnik und die Waldtage mit Kindern waren ihm immer ein wichtiges
Anliegen.


Es schloß sich ein spannendes und facettenreiches Referat an von Kathrin Falkenberg,
Vorsitzende der Prüfungskomission zum Thema „Waidgerechtigkeit, wie wollen wir jagen?“
Eingangs klärte Frau Falkenberg die ewige Frage, welches denn nun die richtige Schreibweise sei:
„Waidmannsheil“ oder „Weidmannsheil“ mit Hinweis auf die Etymologie dieses seit 1801 im
Umlauf befindlichen Begriffes. Der Ursprung des Wortes geht auf das althochdeutsche Wort
„weida“ zurück, was nichts anderes bedeutet als „Nahrung erlangen“. So gesehen sind sowohl das
ältere „Weidmannsheil“ als auch das heute gebräuchlichere „Waidmannsheil“ Derivate und beide
sind gleichermaßen korrekt.
Sie benannte die veränderte Naturwahrnehmung in unsere Zeit: Für die Menschen der Stadt sei die
Natur meist etwas künstliches, erschaffenes. Natur wird domestiziert z.B. im Park erleben.
Viele konsumierten den Wald, oftmals mit Ohrstöpseln, ohne echte Wahrnehmung der Natur. Auch
die Wahrnehmung des Tieres habe sich geändert, Tiere würden zu Kuscheltieren, vermenschlicht.


Auch der Stellenwert der Jagd habe sich im Laufe der Zeit drastisch geändert:
„Was hat Jagd und Radioaktivität gemeinsam?“ War ihre plakative Frage. „- Die Bilder in der
Öffentlichkeit seien immer negativ!“ Es sei Aufgabe des Jägers, dieses negative Bild zu korrigieren
in Kontakt mit allen, die den Wald aus völlig unterschiedlichen Gründen aufsuchten.
Waidgerechtigkeit subsumiert die Verhaltensnormen und den Ehrenkodex, die den Jäger leiten.
Waidgerecht ist letztlich der Jäger, der sein Handwerk gut ausführt. Diese Normen werden von
Generation zu Generation übertragen, ändern sich und unterliegen einem kulturellen Wandel.
War früher die Ausbildung des Jungjägers beispielsweise in der Hand des sogenannten
„Lehrprinzen“, der sich als Mentor des Zöglings annahm, so entfällt heutzutage oft nach der
Jägerprüfung diese persönliche Form der Ausbildung. Mitunter führt dies zu „Jagdscheininhabern“
ohne feste Bindung an erfahrene Jäger, die dann als „Drückjagdnomaden“ ihr Unwesen treiben.
Waidgerechtigkeit sollte der Jäger natürlich in erster Linie dem Wild widerfahren lassen, daß er als
Geschöpf achten sollte und dem gegenüber er auf Chancengleichheit bedacht sein sollte. Damit
verbietet sich für den waidgerechten Jäger beispielsweise der Schuß auf den Hasen in der Sasse
oder auf den laufenden Fasan. Auch der sogenannte „letzte Bissen“ widerspiegelt diese Achtung vor
dem Wild.


Wie sich neue Erkenntnisse auf die Waidgerechtigkeit auswirken und diese verändern können, zeigt
z.B. die Entdeckung, daß auch der Fuchsrüde Anteil hat an der Aufzucht der Welpen und damit in
dieser Zeit geschont werden sollte.


Auch im Umgang mit Waldteilnehmern und auch mit Mitjägern ist die Waidgerechtigkeit eine
probate Richtschnur.
Das gilt auch mit Blick auf die Umwelt: beispielsweise beim Anlegen eines Sitzes sollte sich der
Jäger die Frage stellen, welches Biotop durch diese Maßnahme möglicherweise verdichtet und
beeinträchtigt wird.
Waidgerechtigkeit kann der moderne Jäger heutzutage auch im maßvollen Umgang mit dem Handy
walten lassen: Frau Falkenberg nannte den oft allzu leichtfertigen Umgang mit Handyfotos, die
unbedacht gleich nach Erlegen des Wildes ins Netz gestellt und damit öffentlich gemacht werden.
Damit sei es wie mit den Kugeln beim Büchsenschuß: einmal aus dem Lauf seien auch diese in
ihrer Wirkung nicht mehr aufzuhalten.


Eine rege Diskussion schloß sich an diesen überaus spannenden Vortrag an.