»Guten Flug« und »Sucherfolg«: Dies dürfen sich ab sofort die Jäger der Kreisjägervereinigung (KJV) Rottweil wünschen. Denn um Rehkitze vor dem Tod durch das Mähwerk zu bewahren, werden künftig verstärkt auch Drohnen eingesetzt. Diese wurden nun an die Hegeringe Rottweil und Sulz übergeben.
Vorausschauend und beherzt handeln: Dieser Leitgedanke der Jäger bekam jüngst eine ganz neue Bedeutung. Bei Schneetreiben wurden auf dem Sportgelände in Zimmern-Horgen Vorbereitungen für die warme Jahreszeit getroffen. Denn mit finanzieller Unterstützung durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung erwarb die KJV zwei hochmoderne Drohnen mit Wärmebildtechnik, die künftig eine effektivere Kitzrettung in Zusammenarbeit mit den Landwirten möglich machen.
Der Drohnenbeauftragte Joachim Ehni, Leiter des Hegerings Sulz-Vöhringen, hat dafür mehrere Teams zusammengestellt. Diese bestehen aus einem Drohnenpilot, einem aktiven Retter im Gelände sowie einem Logistiker. Dutzende von Jägern im ganzen Kreisgebiet haben dazu in den vergangenen Wochen den Drohnenflugschein erworben. »Tendenz steigend«, sagt Kreisjägermeister Otmar Riedmüller. Außerdem kooperiert die KJV mit der »Rehkitzrettung Zimmern«. Diese besteht aus dem Ortsbauernverband, den dortigen Jägern und der Gemeinde. Dort ist ebenfalls eine Drohne im Einsatz, die man gemeinsam angeschafft hat. Bei der Übergabe und Einweisung der Drohnen war auch Bürgermeister-Stellvertreter Karl-Heinz Zimmer anwesend. Darüber hinaus arbeitet die KJV mit dem Verein »Rehkitzrettung Aichhalden« zusammen.
Teamarbeit
Und so funktioniert die Rehkitzrettung: Der Landwirt informiert rechtzeitig den Jagdpächter, wo und wann er seine Wiesen mähen möchte. Dieser informiert über den Hegeringkoordinator das entsprechende Drohnenteam und gemeinsam suchen die Jäger aus der Luft das Gelände ab. Erscheint auf dem Bildschirm ein Hinweis auf ein Rehkitz im Gras, werden die aktiven Retter über Walkie Talkie zu der Fundstelle gelotst. Während der Mahd wird das Tier an einem schattigen Platz in Sicherheit gebracht. »Die Jungtiere haben noch keinen Eigengeruch, dies schützt sie vor Fuchs und Co. Um diesen Schutz beizubehalten, werden die Rehkitze entweder mit Handschuhen oder mit einem Grasbüschel angefasst«, erläutert Otmar Riedmüller. Damit das Kitz auch in Sicherheit bleibt, wird es meist in einem luftdurchlässigen Behältnis gelegt und nach der Mahd wieder freigelassen.
In den ersten zwei Lebenswochen haben Kitze keinen Fluchtinstinkt, sondern drücken sich bei Gefahr flach an den Boden – was ihnen beim Mähen dann zum Verhängnis wird. Im Gras werden sie von ihrer Mutter abgelegt und nur zum Säugen und Reinigen aufgesucht.
Kinderstube schützen
Aber nicht nur beim Schutz der Rehkitze treten Jäger als »Anwälte« der Wildtiere auf. Noch bis Juli verwandeln sich Wälder, Felder und Wiesen in die Kinderstube von Hasen, Wildschweinen, Enten, Wildkatzen und Co. Diese benötigen in dieser Zeit besonders viel Schutz und Ruhe, Störungen können Jungtiere zu Waisen machen. »Erholungssuchende, Freizeitsportler, Hundehalter – seit Corona zieht es noch mehr Menschen in die Natur. Und nicht alle bleiben auf den Wegen, sondern schlagen sich querfeldein durchs Dickicht«, formuliert es der Kreisjägermeister.
Besonders häufig werden auch Geißen zum Opfer von wildernden Hunden. Im April und Mai – kurz vor dem Setzen der Rehkitze – sind sie oftmals nicht mehr so mobil und können vor freilaufenden Hunden nicht flüchten. Der Landesjagdverband appelliert deshalb an Hundebesitzer, während der Aufzuchtzeit von Jungwild auch folgsame Hunde an die Leine zu nehmen. Das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz schreibt vor, dass Hunde verlässlich im Einwirkungsbereich ihres Halters bleiben müssen. Verstöße stellen eine Ordnungswidrigkeit dar und können angezeigt werden.
Räude auf dem Vormarsch
Und es gibt noch einen weiteren guten Grund, seinen Hund anzuleinen: Im »Ländle« breitet sich die parasitäre Hautkrankheit Räude seuchenhaft aus – bei Fuchs, Wildschwein und anderen Arten. Bei der Räude handelt es sich um eine Milbe, die starken Juckreiz verursacht. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt, aber auch indirekt durch infizierte Lagerstellen abseits der Wege. »Dort können sich auch Hunde infizieren. Bleibt der Vierbeiner auf dem Weg, ist das Risiko sehr gering«, weiß der Jäger.




